Ironman Südafrika 2019

Nachdem ich bereits am Samstagnachmittag das Einchecken erledigt war, wurde es nun am Sonntag ernst. Am Wettkampftag stand ich bereits um 5 Uhr früh wieder, wie viele andere Athleten, vor der Wechselzone, um letzte Vorbereitungen zu treffen. Meine Liste umfasste Räder aufpumpen, Schuhe am Rad montieren, Getränke aufs Rad geben und die Laufschuhe in den Wechselbeutel geben. Nachdem dann um 6:15 die Wechselzone für alle geschlossen wurde, wurde über die Lautsprecher durchgesagt, dass heute für alle Athleten aus Sicherheitsgründen eine verkürzte Schwimmroute geschwommen wird: 1,6 anstatt der 3,8 Kilometer, die Rede war von einem „Six-Buoy-Swim“.  Es war zu Beginn ein wenig komisch, da man auch nicht sofort vom Ufer aus erkennen konnte warum diese Entscheidung getroffen wurde.  Die Tatsache, dass damit niemand gerechnet hat und sich keiner der Teilnehmer genauer beschäftigt und ausgekannt hat (auch mangelnder Beschreibung), erschwerte zunächst zu verstehen was genau jetzt passiert. Es wurden dann nähere Details auch anhand der Profis erklärt. Ich versuchte, da ich schon ein bisschen spät dran war, mich so weit wie möglich nach vor zu arbeiten, da ich ja eigentlich in der Startbox „unter 60min“ starten wollte. Um etwas nach 6:45 ging es für mich Indischen Ozean und mir wurde recht bald klar warum diese Verkürzung von den Veranstaltern gewählt wurde. Sehr hoher Wellengang machten das Schwimmen und Orientieren nicht gerade einfacher, was vor allem bei schwächeren Schwimmern zu großen Schwierigkeiten führen würde, daher auch die berechtigte Verkürzung. Ich konnte trotzdem recht gut meinen Rhythmus finden und mich auch an diese doch eher schwierigeren Verhältnissen gut anpassen. Als ich dann das erste Mal wieder Boden unter meinen Füßen hatte, ging natürlich mein Blick auf meine Uhr und dort stand etwas mit 30min. finisherpix_2709_042917Ich dachte mir sofort, dass hier die Angabe von 1600m nicht ganz richtig sein kann. Als dann kurze Zeit später, während dem Landgang, meine Uhr bei der 2000m Marke einen Piepston von sich gab, wusste ich, dass meine Zeit nicht ganz so schlecht war und die Angaben der Veranstalter nicht ganz korrekt waren. In der ersten Wechselzone, ging alles glatt und ich konnte schnell auf die zweite Disziplin wechseln. Die ersten Kilometer am Rad waren wirklich super, und flogen nur so dahin, diese wurde sicherlich durch eine leichte Brise von hinten noch verstärkt. finisherpix_2709_032450Bei Kilometer 40 dann eine kurze Schrecksekunde, als ich kurz unachtsam war, kam ich links ins Bankett. Ich musste kurze Zeit im Bankett fahren und konnte so einen Sturz vermeiden, allerdings hatte ich wirklich große Angst meine Reifen beschädigt zu haben. Gottseidank ging alles gut, aber wenn es blöd geht dann ist dort der Ironman für mich gelaufen. So fuhr ich weitere zehn Kilometer bis zur Wende, wo ich das erste Mal so richtig merkte, was denn eigentlich für ein starker Wind geht. Nach weiteren zehn Kilometern musste ich erkennen, dass meine Beine heute nicht die geplante Leistung liefern  können (warum auch immer), die ich mir eigentlich vorgenommen habe, und die auch mit dem Coach besprochen wurde. So entschied ich, dass ich meine Werte nach unten korrigieren muss um nicht am Rad oder später im Marathon komplett zu explodieren. Die fehlende Leistung in den Beinen machte sich auch recht schnell im Kopf bemerkbar und so hatte ich eine weitere Baustelle die ich so schnell wie möglich irgendwie in den Griff bekommen sollte. finisherpix_2709_003977Ich weiß um ehrlich zu sein nicht wie aber irgendwann Mitte der zweiten Runde hatte ich zumindest meine Probleme im Kopf wieder halbwegs sortiert und konnte mich wieder fokussieren auf das was noch vor mir steht. Der Rückweg vom Wendepunkt auf der zweiten Runde war dann noch ein bisschen zäher als auf der ersten Runde, aber die Tatsache, dass auch viele andere ihre Schwierigkeiten hatten spendete ein wenig Trost. Schließlich kam ich nach 5:25 Stunden erneut in die Wechselzone und schon dort musste ich feststellen, dass es auch auf der Laufstrecke heute sehr windig werden wird. finisherpix_2709_100619Nach dem Wechsel ging es auf die ca. zehn Kilometer Laufstrecke, die vier Mal zu laufen war. Wie bereits vermutet wehte eine Stramme Brise den Athleten entgegen, wenn wir Richtung Westen liefen. Ich versuchte mich nicht davon zu beeinträchtigen zu lassen und meinen Plan zumindest beim Marathon umzusetzen. Nach ca. 14 Kilometern gab dann auch meine Garmin Uhr den Geist auf und zeigte mir nur noch einen schwarzen Bildschirm an, damit war ich ab diesem Zeitpunkt im totalen Blindflug unterwegs – keine Pace, keine Zwischenzeiten, keine Gesamtzeit – alles andere als ideal aber gut das kannte ich ja schon am heutigen Tag. finisherpix_2709_063412Wiederum versuchte ich mich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen und einfach weiter kontrolliert aufs Gas zu drücken – mein Motto war „Gehen verboten“! Trotz zweier Abstecher auf ein Dixi-Klo konnte ich trotzdem eine für mich recht ordentliche Marathonlaufzeit hinlegen. finisherpix_2709_072959Die Tatsache, dass ich das ohne ein technisches Hilfsmittel geschafft habe macht mich fast ein bisschen stolz. Schlussendlich kam ich nach einem 3:33 Marathon mit einer Endzeit 9:38:03 ins Ziel, wurde damit Gesamt 136. und in meiner Altersklasse 14. finisherpix_2709_003110Trotz meiner Probleme am Rad kann ich doch ein positives Fazit ziehen. Nun beginnt die Regeneration und damit auch das Finden und das Motivieren für die neuen Ziele und Aufgaben.finisherpix_2709_093352

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